Fotografie
Website-Baukästen für Fotografen: worauf es wirklich ankommt
Statt einer Rangliste, die morgen veraltet ist: neun Kriterien, an denen du jeden Baukasten selbst prüfen kannst — mit dem Test, der zehn Minuten dauert.

Kurz gesagt: Eine Rangliste der besten Baukästen ist nach sechs Monaten falsch, weil sich Funktionen und Preise ändern. Verlässlicher sind Kriterien. Für Fotografen zählen neun — und drei davon entscheiden fast alles: wie Bilder ausgeliefert werden, wie schnell die Seite am Handy lädt und wie teuer der Ausstieg ist.
Warum wir keine Rangliste schreiben
„Der beste Baukasten für Fotografen“ hängt davon ab, ob du zwanzig Bilder oder zwanzig Galerien zeigst, ob du Kundenbilder ausliefern willst und ob du in fünf Jahren umziehen möchtest. Wer das nicht fragt, empfiehlt ins Blaue. Deshalb hier: die Prüfliste, mit der du in einem Nachmittag selbst entscheidest.
Falls du noch gar nicht sicher bist, ob es überhaupt ein Baukasten sein soll: Der Vergleich mit WordPress und mit einem Auftrag an eine Webdesignerin steht in Website selbst bauen, Baukasten oder erstellen lassen?
Die neun Kriterien
1. Bildauslieferung und Schärfe
Der wichtigste Punkt und der am seltensten geprüfte. Liefert der Baukasten deine Bilder in moderner Kompression aus? Sehen sie auf einem hochauflösenden Bildschirm scharf aus oder matschig? Lade ein eigenes Bild in eine Testseite und schau es dir auf deinem Telefon an. Wenn dein Bild dort schlechter aussieht als in der Vorschau der Kamera, ist die Sache entschieden.
2. Ladezeit am Handy
Bildlastige Seiten sind langsam. Prüfe eine echte Kundenseite dieses Anbieters — nicht die Werbeseite des Anbieters selbst — im Mobilfunknetz. Über vier Sekunden bis zum ersten Bild ist zu langsam.
3. Galerien und Ordnung
Kannst du Galerien nach Anlass trennen? Gibt es einen Passwortschutz für Kundenbilder? Lässt sich die Reihenfolge der Bilder von Hand festlegen — oder nur nach Dateiname sortieren? Letzteres klingt harmlos und ist der Punkt, an dem viele Fotografen später fluchen.
4. Was du an Suchmaschinen weitergeben kannst
Prüfe, ob du je Seite Titel und Beschreibung selbst setzen kannst, ob du Bildbeschreibungen (Alternativtexte) pflegen kannst und ob die Adressen sprechend sind — also /hochzeitsfotograf-mainz statt /seite-7. Ohne diese drei Dinge wird Suchmaschinenoptimierung zur Sackgasse.
5. Eigene Domain
Selbstverständlich? Nein. In manchen Einstiegstarifen steht die Seite unter einer Adresse des Anbieters. Das ist für ein Gewerbe keine Option.
6. Ausstiegskosten
Die Frage, die du vor dem Einstieg stellst: Wie komme ich hier wieder raus? Kannst du Texte und Bilder exportieren? Kannst du Weiterleitungen einrichten, damit alte Adressen nicht ins Leere laufen? Läuft die Domain auf deinen Namen?
7. Formulare und Anfragen
Kannst du ein Anfrageformular mit eigenen Feldern bauen? Landen Anfragen zuverlässig in deinem Postfach — und nicht im Spam? Bekommt der Absender eine Bestätigung?
8. Rechtstexte und Einwilligungen
Gibt es einen brauchbaren Cookie-Hinweis, der Dienste erst nach Zustimmung lädt? Lässt sich ein Impressum verlinken, das von jeder Seite erreichbar ist?
9. Preis im dritten Jahr
Nicht der Einstiegspreis zählt, sondern der Preis nach dem Aktionszeitraum, mit deiner Speichermenge und mit den Erweiterungen, die du brauchst. Rechne das einmal für drei Jahre aus und vergleiche mit den Zahlen in Was kostet eine Website für Fotografen?.
Alle Zahlen sind Bandbreiten, keine Angebote. Die Spannen stammen aus öffentlich einsehbaren Anbieterpreisen und aus dem, was Dienstleister in Gesprächen berichten. Was du zahlst, hängt von Umfang, Region und Anspruch ab. Hol dir immer ein eigenes Angebot ein.
Der Zehn-Minuten-Test
Bevor du dich anmeldest, mach das hier. Es spart dir im Zweifel Monate.
- Suche eine echte Fotografenseite, die mit diesem Baukasten gebaut wurde.
- Öffne sie auf deinem Telefon im Mobilfunknetz und stoppe die Zeit bis zum ersten Bild.
- Zoome in ein Bild hinein. Wie scharf ist es?
- Schau dir die Adresszeile einer Unterseite an: sprechend oder kryptisch?
- Suche das Impressum. Findest du es in zwei Klicks?
- Fülle das Anfrageformular aus und schau, ob eine Bestätigung kommt.
Was ein Baukasten nicht löst
- Auswahl. Kein System entscheidet für dich, welche zwölf Bilder es sein sollen — siehe Fotografen-Portfolio erstellen.
- Texte. Vorlagen liefern Blindtext, keine Aussage über deine Arbeit.
- Sichtbarkeit. Eine neue Adresse ist erst einmal unsichtbar, unabhängig vom System.
- Struktur. Welche Seiten es überhaupt braucht, steht in Was auf die Website eines Hochzeitsfotografen gehört.
Die vollständige Reihenfolge vom ersten Gedanken bis zum Onlinestellen findest du in der Checkliste zum Erstellen.
Häufige Fragen
Ist Wix oder Squarespace besser für Fotografen?
Beide liefern gute Bildqualität und mobile Darstellung. Der Unterschied liegt eher in Gestaltungsfreiheit gegen Ordnung und im Preis nach dem ersten Jahr. Prüfe beide mit dem Zehn-Minuten-Test oben statt nach Empfehlungen zu gehen.
Kann ich mit einem Baukasten bei Google gefunden werden?
Ja, wenn du je Seite Titel, Beschreibung und Adresse selbst setzen kannst und die Ladezeit stimmt. Das System ist selten der begrenzende Faktor — die Inhalte sind es. Mehr dazu in SEO für Fotografen.
Was kostet ein Website-Baukasten für Fotografen?
Übliche Tarife mit eigener Domain liegen bei 10 bis 30 Euro im Monat. Achte auf den Preis nach dem Aktionsjahr und darauf, wie viel Speicher enthalten ist — Bilder füllen ihn schneller als gedacht.
Brauche ich für Kundengalerien einen eigenen Dienst?
Oft ja. Baukästen können Galerien zeigen, aber selten sauber ausliefern: Download in voller Auflösung, Auswahllisten, Ablaufdatum. Dafür gibt es eigene Anbieter, die zusätzlich 8 bis 40 Euro im Monat kosten.
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